Biologie, Lernprozesse
& menschliche Evolution

+ Waldwissen interaktiv
+ Stammbaum des Menschen (interaktiv)

(Linksammlung am Seitenende/ Hirnhälften-Test)



Natürlich gehören Fragen zu biologischen Themen zu den ersten, die ein heranwachsendes Kind stellt.
Schon im Kindergarten stehen diese im Fokus der "naturwissenschaftlichen" Vorschul-Ausbildung und werden bis in die mittlere Schulzeit mit den didaktischen Mitteln der Anschaulichkeit und des Experiments in gegliederten Themenkomplexen abgehandelt. Die Biologie nutzt viele allgemein gebräuchliche wissenschaftliche Methoden, wie strukturiertes Beobachten, Dokumentation (Notizen, Fotos, Filme) und Hypothesenbildung und -testung durch Experimente. Häufig fallen dabei allerdings die fachübergreifenden Zusammenhänge unter den Tisch und Bio wird zum Lernfach.
Tatsächlich ist die tiefergehende Beschäftigung mit Biologie die Vorraussetzung, um Lernprozesse überhaupt zu verstehen und Modelle für effektivere didaktische Unterrichtsmethoden zu entwickeln.
Dabei befinden wir uns in einer sehr spannenden Phase, wenn man auf die rasant fortschreitenden Erkenntnisse aus den Bereichen der Evolutionsbiologie, der Verhaltensbiologie und vor allem der Neurowissenschaften blickt.


Beltz Verlag, 183 Seiten
Wozu und wem nützt es, sich mit der Wissenschaft Biologie zu befassen? Wenn die heranwachsende und die nächste Generation in die Lage versetzt werden sollen, ihr Leben verantwortlich zu gestalten, führt die festzustellende Verwissenschaftlichung insbesondere der allgemein bildenden Schulen zu eher vordergründigem Wissen. Es wird daher immer fraglicher, ob Lehre und Unterricht hinreichend die Aufgabe erfüllen, in den Heranwachsenden das Bewusstsein der Verantwortung gegenüber der Biosphäre zu begründen und die entsprechende Handlungskompetenz zu entwickeln und zu fördern. In Braunschweig schlug man aufgrund der sich anbahnenden wenig Erfolg versprechenden Entwicklung schon Ende der 70er Jahre einen alternativen Weg ein und entwickelte das Konzept „Biologische Bildung als Teil der Allgemeinbildung" - das sogenannte "Braunschweiger Modell", in dem die Autoren wesentliche Elemente eines erneuerten Bildungsverständnisses für Erziehung und Unterricht zur Diskussion stellen.

Biologische Rahmenbedingungen für erfolgreiches Denken und Lernen

Viele Menschen glauben, man kann entweder gut nachdenken oder man kann es nicht. Ist die Fähigkeit zu erfolgreichem Nachdenken demnach genetisch festgelegt? Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Systematisches Denken z.B. ist eine Fähigkeit, die im Rahmen der genetischen Möglichkeiten erlernbar ist. Gezielt und möglichst effektiv nachzudenken ist sowohl für das private wie berufliche Leben von großer Bedeutung, z.B. um gute Pläne zu machen, Probleme zu lösen, Ideen zu finden, komplexe Systeme durchschaubar zu machen oder begründet Entscheidungen zu treffen.
Aber wie erreicht man, effektiv und erfolgreich nachzudenken? Nachdenken wird nicht selten mit endlosem Grübeln gleichgesetzt, aber z.B. Stress und zu starke Anspannung oder innerer Druck erschweren unnötig das Nachdenken.
Eine Grundregel für erfolgreiches Nachdenken besteht deshalb darin, möglichst eine körperlich entspannte und neugierige Grundhaltung einzunehmen.
Viele Genies - so wird behauptet - sind mit einer fast kindlichen Neugier den größten Entdeckungen auf die Spur gekommen.

Wie lernt der Mensch?

Jegliche kulturelle Entwicklung beruht darauf, dass einmal Gedachtes als Gedächtnis erhalten bleibt. Beim einzelnen Menschen ist es nicht anders. Lernen und Erinnern sind daher Grundbausteine des geistigen Fortschritts. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren sehr viel über die Vorgänge beim Lernen herausgefunden, die die Idee vom Gehirn als simplem Informationsspeicher mehr als in Frage stellen.
Wandelndes Lexikon, fotographisches Gedächtnis - noch immer transportieren unsere Umschreibungen für die perfekte Erinnerung die Vorstellung, Gedächtnis sei tatsächlich in erster Linie ein Speicher, in dem so etwas wie Wissen und objektive Fakten abgelegt sind. Eine Vorstellung, die zudem noch immer das Ideal der Schulbildung zumindest in der Öffentlichkeit prägt, man müsse den Kindern möglichst viel Wissen beibringen. Als derzeitiges Ergebnis ist u.a. festzuhalten, dass es ein wesentliches Charakteristikum der Großhirnrinde ist, möglichst alles mit allem zu vernetzen.
(Anm. der Red.: Vgl. unter Schach - "Wie Genies denken" und Chunking)
 

Umfangreiche Mind-Map-Sammlung zu allen Bio-Themen


Erst 1700 v.Chr. starb das Mammut aus
Unsere Erinnerung sitzt folglich nicht in irgendwelchen Nervenzellen, sondern besteht im wesentlichen aus einer verstärkten Verknüpfung von Nervenzellen - wobei die einzelnen Zellen zum Teil weit voneinander entfernt sind. Die Verstärkung der Nervenverbindungen, der Synapsen, ist heute das Standardmodell für Lernen und Gedächtnis (Paal 1998).
Eine Reihe von Wissenschaftlern vermuten, dass vor allem solche Menschen in vernetzten Systemen erfolgreich handeln bzw. kreativ sind, bei denen die linke und die rechte Gehirnhälfte gut miteinander kommunizieren, wenn sich also im Gehirn systematisches Denken und Intuition verbinden.
Denn das Erstaunliche ist, dass sich z. B. neue Wirklichkeiten oft dann in unser Bewusstsein drängen, wenn wir mit etwas ganz anderem beschäftigt sind.
"Doch gibt es keinerlei Belege dafür, dass Menschen reine „Linkshemisphäriker“ oder „Rechtshemisphäriker“ sind (siehe CoKi-Hirnhälftentest). Es besteht vielmehr ein Kontinuum, also ein fortlaufender Zusammenhang zwischen den Hemisphären. Folglich könnte man sagen, dass es Menschen gibt, deren linke Hirnhälfte ausgeprägter ist, dementsprechend auch deren Sprachfunktionen sich mehr entfalten konnte, wie es ebenso Personen gibt, die eine stärkere Rechtshirnigkeit aufweisen und bei denen sich somit die räumlichen Fertigkeiten besser und effektiver ausgeprägt haben." (vgl. auch Rimmele 2006).
Das stille Drücken einer Schulbank ist für das Lernen also nicht gerade die optimale Position. Die neuen Erkenntnisse bezüglich der Neurobiologie des Gedächtnisses bestätigen die Lehrer, die schon längst variable methodische Konzepte anwenden, um z.B. Studierenden und Schülern beim Erwerb von Erfahrung und Wissen im beschriebenen Sinne zu helfen.



Beschleunigte Evolution des Menschen

Aktuelle Forschungsergebnisse aus Anthropologie und Genetik bringen Bewegung in die auch philosophisch höchst interessante Diskussion, ob und wie schnell Homo sapiens sich noch weiterentwickeln kann.
Wie vor kurzem Wissenschaftler der Universität von Salt Lake City durch Analyse der Genome von Menschen unterschiedlicher Volksgruppen herausfanden, haben sich insbesondere in den letzten 5000 Jahren im menschlichen Erbgut zahlreiche Veränderungen erfolgreich durchgesetzt. Damit seien die genetischen Unterschiede zwischen den Menschen von heute und denen von vor 5000 Jahren größer, als die jener zum Neandertaler.

   
Die Beschleunigung dieser Entwicklung hat sicher vielfältige Ursachen in den veränderten äußeren Lebensbedingungen, vermutlich aber auch in einer Verbesserung der Hirnleistungen durch komplexere Aufgabenstellungen und damit möglicherweise sogar in der Wirkungskette 'memetische Kulturadaption - epigenetische Verankerung - genetische/ vererbbare Disposition'.
Mit etwas Optimismus lässt sich hoffen, dass Mensch doch noch die Kurve kriegt und sich von archetypisch determinierten Verhaltensmustern zu einem vernunftbestimmten Bewusstseinswesen entwickelt und so die Geister, die er rief, kraft seines Verstandes erkennen und zur Räson bringen kann.

Werner Friebel
(aus "Philosophische Schnipsel")

Zum aktuellen Forschungsstand der Paläo-Genetik:
"Der Neandertaler lebt ja doch in uns" (ext. Link)


AG Evolutionsbiologie

Neueste Erkenntnisse und Hintergründe aus der Evo-Devo-Forschung

Der ontologische Naturalismus ist keine Ideologie (PDF)

Martin Neukamm zum Verhältnis weltimmanenter Prinzipien und supranaturalistischer Vorstellungen: "Der ontologische Naturalismus ist keine Ideologie, sondern die Nullhypothese der Naturwissenschaften." - Sehr lesenswert!

aus: Aufklärung & Kritik 1/2009

CoKi-Hirnhälftentest

Aktuelle Hirnforschung

Zum aktuelle Stand und den Aussichten der Hirnforschung - ein Manifest von 11 Wissenschaftlern in der Zeitschrift "Gehirn & Geist"

"Kulturelle Evolution" und Mem-Theorie

Die Evolution des Menschen

Die umfassendste und beste Seite, die wir zu diesem Thema gefunden haben.
Ausgezeichnete graphische Darstellungen (mit vielen Zeittafeln), topaktuelle Forschungsergebnisse und Unterrichts-Videos.

Was Kleinkinder Affen voraus haben

Während Affen noch immer im Dschungel leben, erforschen Menschen das Universum. Nun gibt es neue Hinweise darauf, warum das so ist.
Von Wiebke Rögener - Süddeutsche Zeitung vom 7.9.2007

"Kein Gen für Faulheit"

Der Philosoph und Naturwissenschaftler Gerald Hüther erläutert im SPIEGEL (Aug. 2007), warum die Hirnforschung Gefühl und Erfahrung unterschätzt. Hier können Sie für ihren Unterricht und zur eigenen Information den kompletten Artikel lesen und kostenlos als PDF im Original-Zeitungslayout herunterladen.

Schöpfungsmythen im Biologieunterricht

Protestschreiben von Prof. Dr. Ulrich Kutschera (Universität Kassel, vdbiol) an das Hessische Kultusministerium gegen die geplante Unterrichtung christlicher Schöpfungslehren im Schulfach Biologie

Das Universum unter Wasser

Besucht die faszinierende Meerslebenswelt dieser 3-SAT-Fotodomuntation!

Unterrichtsbeispiele Biologie

Umfangreiche Materialsammlung für Unterricht und Selbststudium

Die Bio - A.G.

Hier findet Ihr frei kopierbare Unterrichtsmaterialien, Software-Tipps für den Bio-Unterricht (nebst Downloads) und viele weiterführende Links.
 Unser Buchtipp:
Was ist der Mensch?
Die Entdeckung der Natur des Geistes - von Michael Pauen
Die Erkenntnisse der aktuellen Hirnforschung stellen unser Menschenbild in Frage. Wir sind verunsichert, ob wir weiterhin von einem Ich, einem Selbstbewusstsein oder von Willensfreiheit sprechen können.
Der Wissenschaftsphilosoph Michael Pauen bringt Klarheit in die verwirrende Debatte. Er erzählt die spannende Geschichte eines Jahrhunderte alten Scheinkonflikts und zeigt, dass die Erkenntnisse der Neurowissenschaften uns nicht bedrohen, sondern - ganz im Gegenteil - das Verständnis für zentrale menschliche Fähigkeiten verbessern und warum die aktuelle Hirnforschung kein neues Menschenbild erzwingt.
Nichts spricht dagegen, dass wir uns selbst nach wie vor als frei und verantwortlich handelnde Wesen begreifen können.


DVA Verlag, 272 Seiten
€ 19,95
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